Ada Lovelace's Urenkelinnen

Ada Lovelace

Analytikerin, Metaphysikerin und Begründerin des wissenschaftlichen Rechnens

Ada Byron (* 10.12.1815, London, † 27.11.1852, London) war die Tochter einer kurzen Verbindung zwischen dem romantischen Dichter Lord Byron und Anne Isabelle Milbanke, die sich nur einen Monat nach der Geburt von Byron trennte. Vier Monate später verließ Byron England für immer. Ada traf ihren Vater (der 1823 in Griechenland starb) nie und wurde von ihrer Mutter, Lady Byron aufgezogen. Ihr Leben war eine Apotheose des Kampfes zwischen Gefühl und Verstand, Subjektivismus und Objektivismus, Dichtkunst und Mathematik, Krankheit und Vitalität.

Lady Byron wünschte, dass ihre Tochter nicht ihrem Vater nachstrebte und sie achtete darauf, dass Ada Privatunterricht in der Mathematik und in der Musik erhielt, um gefährlichen poetischen Tendenzen entgegenzuwirken. Aber die komplizierte Herkunft Adas wurde schon 1828 offensichtlich, als sie das Design für eine Flugmaschine produzierte. Es war die Mathematik, die ihrem Leben seine Flügel gab.

Lady Byron und Ada bewegten sich in der Elite der Londoner Gesellschaft, in der die Gentlemen, die weder dem Klerus angehörten noch mit den Angelegenheiten der Politik oder eines Regiments beschäftigt waren, ziemlich wahrscheinlich ihre Zeit und ihr Vermögen für das Studium von Botanik, Geologie oder Astronomie verwandten. Im frühen 19. Jahrhundert gab es keine "professionellen" Wissenschaftler - das Wort "Wissenschaftler" wurde erst 1836 von William Whewell geprägt - und die adligen Damen wurden nicht gerade ermutigt, an diesen intellektuellen Beschäftigungen teilzunehmen.

Einer der Gentleman-Wissenschaftler dieser Ära sollte lebenslänglicher Freund Adas werden. Charles Babbage, Lucasischer Professor für Mathematik in Cambridge, bekannt als der Erfinder der Differential Engine, einer durchdachten Rechenmaschine, die auf der Methode der finiten Differenzen basierte. Ada traf Babbage 1833, als sie gerade 17 war und es entstand eine umfangreiche Korrespondenz, die sich mit Mathematik, Logik und schließlich mit allen möglichen Themen beschäftigte.

1835 heiratete Ada den 10 Jahre älteren William King. Und als dieser 1838 einen Adelstitel erbte, wurden sie Count und Countess von Lovelace. Ada hatte drei Kinder. Die Familie und ihr Vermögen wurden größtenteils von Lady Byron verwaltet, deren Wirken von King nur selten widersprochen wurde.

Babbage hatte 1834 Pläne für eine neue Art von Rechenmaschine - die Analytical Engine - entwickelt, obwohl der Bau der Differential Engine noch nicht beendet war. Seine parlamentarischen Förderer lehnten es ab, eine zweite Maschine zu bauen, solange die erste noch nicht fertiggestellt war, aber Babbage fand im Ausland Sympathie für sein neues Projekt. 1842 veröffentlichte Louis Menebrea, ein italienischer Mathematiker, eine französischsprachige Abhandlung über die Analytical Engine. Babbage betraute Ada mit der Übersetzung der Abhandlung und während einer neunmonatigen Periode 1842/43, arbeitete sie fieberhaft an dem Artikel und einer Reihe von Anmerkungen, die sie anfügte. Diese Anmerkungen sind der Grundstein ihres anhaltenden Ruhmes.

Ada nannte sich selbst "eine Analytikerin (und Metaphysikerin)" und dieses Selbstverständnis erkennt man in den Anmerkungen. Sie verstand die Pläne für die Maschine genauso gut wie Babbage, war aber wesentlich besser darin, ihre Verwendunsmöglichkeiten zu beschreiben. Sie sah sie mit Recht als etwas, dass wir einen universellen Computer nennen würden:
"Diese Maschine kann für die Enwicklung und Tabellierung jeder Funktion verwandt werden. Sie ist materieller Ausdruck einer Funktion jedweder Allgemeinheit und Komplexität." [1]
Ihre Anmerkungen nehmen zukünftige Entwicklungen, einschließlich der computererzeugten Musik vorweg.

Ada starb 1852 im Alter von 37 Jahren an Krebs und wurde neben ihrem Vater begraben, den sie nie kennengelernt hatte. Ihre Beiträge zur Wissenschaft wurden erst vor kurzem wiederentdeckt, aber viele neuere Biographien [2] sind Zeugnis der Faszination, die von Babbages "Zauberin der Zahlen" ausgeht.

 

 

 

[1] The machine is suited for "developping [sic] and tabulating any function whatever ... the engine [is] the material expression of any indefinite function of any degree of generality and complexity."

[2] Doris Langley Moore, 1977: "Ada: Countess of Lovelace" (London: John Murray);
Joan Baum, 1986: "The Calculating Passion of Ada Byron" (Archon Books);
Betty A. Toole, 1992: "Ada, the Enchantress of Numbers" (Mill Valley, CA: Strawberry Press).

 

Dieser Text ist Übersetzung einer Biographie des San Diego Supercomputer Center.